Offener Brief an alle Schinkler Bürger und Bürgerinnen


Liebe Schinkler Bürgerinnen und Bürger,

der Mobilfunkanbieter O2 will eine Mobilfunkantenne auf dem Dach der "Schinkler Möhl" errichten. Zurzeit liegt ein Mietvertrag von O2 vor, über den die Gemeindevertretung am 14. April abstimmen soll.

Die meisten werden sich schon einmal über den schlechten Handy-Empfang in Schinkel geärgert haben, dennoch sollte der Mobilfunk kritisch betrachtet werden.

Es geht nicht darum, eine Mobilfunkantenne in Schinkel grundsätzlich zu verhindern, aber muss diese Antenne wirklich

  • ·        mitten im Wohngebiet
  • ·        direkt auf einem Kommunikationszentrum
  • ·        und in der Nähe der Grundschule

errichtet werden ?

Die Auswirkungen von Mobilfunk-Strahlung auf die Gesundheit werden zurzeit in Presse und Wissenschaft sehr kontrovers diskutiert. Allerdings werden zunehmend gesundheitliche Auswirkungen festgestellt. So ermittelten Ärzte der Kleinstadt Naila in Oberfranken eine Verdoppelung der Krebsrate im Umkreis von 400 m um eine Mobilfunkantenne[1]. Auch Schäden am Erbgut und Veränderungen des Blutbildes sind beobachtet worden.

Wer Recht hat und wie schwerwiegend die Auswirkungen des Elektrosmogs sind, kann der Einzelne sicherlich nicht leicht beurteilen. Zu Denken geben sollte allerdings, dass sich die Versicherungs­wirtschaft seit neuestem weigert, die Folgen von Mobilfunkstrahlung zu versichern (Schadensersatzklagen).

Ähnlich kontrovers wird auch über die Grenzwerte diskutiert. In Europa schwanken diese in verschiedenen Ländern um den Faktor hundert. Deutschland hat hierbei mit die höchsten Grenzwerte. Legt man z.B. den Schweizer Grenzwert zu Grunde, so dürfte die Anlage in Schinkel nicht wie geplant in direkter Nachbarschaft der Wohnbebauung aufgestellt werden. Verschiedene Organisationen fordern sogar um Faktor 1000 bis 100.000 geringere Grenzwerte.

Bei einer derart kontroversen Diskussion wie sie zurzeit zum Themenkomplex Mobilfunk und Elektrosmog geführt wird, muss bei einer Standortwahl für einen Funkmast die Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung im Vordergrund stehen! Dies gilt umso mehr, da die Bevölkerung in der Nähe des Mastes Tag und Nacht der Strahlenemissionen ausgesetzt ist. Studien über die Auswirkungen dieser Dauerbelastung gibt es bislang nicht.


Wir sollten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben: Auch Asbest, Formaldehyd, Holzschutzmittel und Radar galten solange als unbedenklich bis Langzeitschäden auftraten.

Zurzeit bleibt dem mündigen Bürger und der mündigen Bürgerin nur die Möglichkeit sich selbst umfassend zu informieren und für sich selbst zu entscheiden, wie man mit dieser Technik umgehen will.

Zusätzlich zu dem auf der ersten Seite angekündigten Vortrag, der Jedem/Jeder wärmstens empfohlen wird, helfen folgende Bücher und Internetseiten, die vielfältigen, oft völlig widersprüchlichen Informationen zum Thema Mobilfunk/Elektrosmog zu sortieren:

Mobilfunk - Ein Freilandversuch am Menschen von Th. Grasberger und F. Kotteder, Verlag Antje Kunstmann,
ISBN 3-88897-328-7

Das große Strahlen - Handy & Co Die neuen Gefahren des Elektrosmogs, Hrg. KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Verlag Kiepenheuer & Wisch,
ISBN 3-462-03168-6

Einen neutralen und objektiven Einstieg in die Thematik Mobilfunk bietet die Internetseite der Verbraucherinitiative www.forum-elektrosmog.de.

Wesentlich deutlicher Stellung bezieht die "Informa­tions­zentrale Mobilfunk" www.izmf.de, die von den Mobilfunk-Betreiber finanziert wird, sowie die Gegen-Institution "Informationszentrale gegen den Mobilfunk" www.izgmf.de, die von Bürger­initiativen getragen wird.

Kritische Angaben von Medizinern bietet der Link
www.aerzte-warnen-vor-mobilfunk.de

Allgemeine Informationen bietet auch das Bundesamt für Strahlenschutz www.bfs.de/elektro.

Aktuelle Neuigkeiten und eine Vielzahl weiterer Informationsquellen sind im Internet z.B. unter www.elektrosmognews.de/index.html und unter
www.ralf-woelfle.de/elektrosmog zu finden.

Auch Ihr Hausarzt wird Ihnen in der Regel Informationen geben können. Fragen Sie ruhig nach !!!

Am 14. April 2005 hat der Gemeinderat die Entscheidung über den Vertrag mit O2 vertagt.

Diskutieren Sie mit der politischen Partei Ihres Vertrauens und machen Sie ihren Standpunkt klar. Gemeinderatssitzungen sind öffentlich und in der Einwohnerfragestunde können alle Bürger und Bürgerinnen Fragen stellen.

Wie gesagt, es geht nicht um einen Verhinderung eines Mastes in Schinkel sondern wir sprechen uns gegen einen Mast mitten im Wohngebiet und neben der Grundschule aus und wollen uns für eine verträgliche, mit den Nachbargemeinden abgestimmte Lösung einsetzen.

Verfasser: Ökologische Interessengemeinschaft Schinkel

Anhang:

Eine beeindruckende Übersicht über Ergebnisse und Meinungen zum Thema stellt eine Zitatensammlung zum Mobilfunk dar, in der Politiker und Wissenschaftler unterschiedlichster Ausrichtung zu Wort kommen (http://www.maes.de/ZITATE-1.pdf), mit Quellenangaben).

Hier einige markante Auszüge:


"Bei der Belastung durch Ausstrahlungen von Mobil­funk-Sendemasten ist zu bedenken: Es geht um unfrei­willig eingegangene Risiken; es geht um dauerhafte Be­las­tungen; es sind sehr viele Menschen betroffen. Die vorhandenen medizinischen und biologischen Befunde zeigen, dass im Sinne einer vorbeugenden Vorsicht es unumgänglich ist, sich am Minimierungsprinzip zu orientieren. Alle Möglichkeiten zu einer Minimierung der Immissionen sollen genutzt werden."

Ärztekammer Niedersachsen (August 2002)

"Früher haben wir mit diesen Mikrowellen Geburtenkontrolle gemacht. Heute telefonieren wir damit. Sehr schön."

Kommentar von Prof. Dr. Huai Chiang, Leiterin der Abteilung 'Medizinische Mikrowellen' an der Zhejiang Medical University in Hangzhou/China, führende Elektrosmog-Expertin Chinas und Beraterin der WHO, auf der 'Internationalen Konferenz Situierung von Mobilfunksendern' in Salzburg (7.-8. Juni 2000)

"Handystrahlung schädigte Neuronen in Rattenhirnen, Eiweiß­stoffe dringen in das Gehirn ein, auffällig viele Nervenzellen werden zerstört."

Universität Lund/Schweden, Institut für Neurologie, Forschungsleiter Prof. Dr. Leif Salford in der US- Fachzeitschrift ´Environmental Health Perpektives´ und zahlreichen anderen Medien sowie gegenüber BBC-News (Januar/Februar 2003)

"Keine Firma der Welt entwickelt ein Arznei­mittel, das bei Versuchstieren Krebs auslöst, und sagt dann, wie das Bundesamt für Strahlen­schutz, die Handyhersteller und Mobilfunkindustrie, das werde beim Menschen schon nicht auftreten."

Prof. Dr. Wolfgang Löscher, Tierärztliche Hochschule Hannover, zur Repacholi-Studie in der 'Süddeutschen Zeitung' (Mai 1997)

"Die Mobilfunktechnik wurde ohne Gesundheitsverträglichkeitsprüfung flächendeckend eingeführt. Die Beweise für die Risiken dieser Technik für eine wachsende Zahl von Betroffenen nehmen in erdrückendem Maße zu."

Dr. Peter Germann, Vorstand der interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin IGUMED in einer Erklärung der Initiatoren des Freiburger Appells (24. Oktober 2003)

"Angesichts der Vielzahl wissenschaftlicher Befunde kann man weder das Krebsrisiko noch verschiedene andere biologische Effekte einfach abtun."

Umweltausschuss des EU-Parlaments (2000)

"Das wichtigste Ergebnis unserer Studie ist, dass sich die Lymphknoten­krebsrate bei Mäusen mehr als ver­doppelte, nachdem die Tiere neun Monate lang zweimal täglich nur eine halbe Stunde mit gepulsten elektro­magnetischen Handywellen bestrahlt wurden. Es ist offensichtlich, dass die Telefon­indus­trie nicht erfreut war über unsere Ergebnisse, weil diese zeigten, dass es Gesundheitsrisiken gibt."

Dr. Michael Repacholi, Beauftragter der WHO für elektromagnetische Felder, zur Forschung im Auftrag der australischen Telekom (Telstra), 'Focus-TV' (Mai 1997)

 



[1] Die Ergebnisse der Studie finden sich in dem 2004 veröffentlichten Artikel "Einfluss der räumlichen Nähe von Mobilfunksendeanlagen auf die Krebsinzidenz" unter
www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/404_ege.html